Wir haben hier kein Faulbrut-
Problem, sondern eine
Lösung
Im letzten Herbst hat ein Bienenkisten-Anfänger bei sich Faulbrut entdeckt und die gesamte Geschichte ist eine schöne Widerlegung sämtlicher kusierender Vorurteile

Zunächst mal hat der Anfänger die Faulbrut selbst entdeckt, weil er - wie wir empfehlen - eine Futterkranzprobe eingereicht hatte. Frag' mal konventionelle Imker, ob sie das regelmäßig machen?
Wir haben dann zusammen mit Guido Eich (Fachmann für Faulbrut beim Bieneninstitut Celle) und der Hamburger Veterinärin die weiteren Schritte unternommen. Weil es schon sehr spät im Herbst war, kam eine Sanierung nicht mehr infrage (was ansonsten aber auch in der Bienenkiste problemlos möglich gewesen wäre). Guido Eich, der übrigens ein Befürworter der Bienenkiste ist, hatte außerdem mit Hinweis auf die (ungerechtfertigten) Vorurteile vieler Konventioneller Imker dazu geraten, das Volk schnell abzutöten, damit sich keine Anti-Bienenkisten-Stimmung verbreitet.
Das Volk sah super aus. Sehr stark, sehr schön. Allen tat es leid, es umbringen zu müssen. Bei der anschließenden Untersuchung fanden sich keine deutlich sichtbaren klinischen Symptome. Das heißt, wäre es ein Magazin-Volk gewesen, hätte man die Faulbrut nicht so früh erkannt. Nur weil der Bienenkisten-Imker sich so vorbildlich verhalten hatte, ist größerer Schaden abgewendet worden.
Es gibt oft das Vorurteil, dass Völker an Faulbrut erkranken, wenn Imker etwas falsch machen. Lt. Guido Eich ist aber das Gegenteil der Fall: Nur die guten, kräftigen Völker stecken sich mit Faulbrut an, weil sie die ersten sind, die ein anderes, an Faulbrut zusammenbrechendes Volk ausräubern und sich so die Sporen holen.
Wir haben dann später noch das Muttervolk, von dem der Schwarm stammte beprobt und alle weiteren Bienenkisten im Umkreis. Alle waren faulbrutfrei und den Völkern wurde ein sehr guter Zustand von der Veterinärin attestiert.
Es muss daher einen weiteren unerkannten Faulbrutfall im Flugradius der Bienenkiste gegeben haben. Es wurde auch ein aufgelassener Magazin-Bienenstand in der Nähe entdeckt, der starke Faulbrut-Symptome gezeigt hat. Leider konnte das aus Grüünden des zeitlichen Ablaufs nicht der Primärherd gewesen sein. Es muss noch einen weiteren Zwischenwirt gegeben haben, der obwohl alle bekannten Völker beprobt worden sind, nicht gefunden werden konnte. Es könnte u.U. sein, dass das ein Wanderimker war.
In diesen Wochen werden noch mal alle Völker im Sperrbezirk beprobt in der Hoffnung, den Sperrbezirk anschließend wieder aufheben zu können.
Fazit:
Das was Du gehört hast, enthält zwar einen Kern Wahrheit (Faulbrut,Bienenkiste), die Art, wie die Geschichte verbreitet worden ist, verkehrt aber die wirklichen Verhältnisse gewissermaßen ins Gegenteil. Die Bienenkiste und der betroffene Anfänger spielen in Wirklichkeit ausschließlich die Rolle des Vorbildes. Wenn alle Imker sich so verantwortungsbewußt verhalten würden, gäbe es weit weniger Faulbrutprobleme.
Wer noch Fragen dazu hat, kann sich gerne auch direkt an
Guido Eich vom LAVES Bieneninstitut wenden.