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  • Winterselbstversorgung - ein Thema, mit dem ich schon länger "schwanger" gehe.

    Wie wir alle wissen ist ein wesentliches Ziel der Bienenkiste, mit geringst möglichem Aufwand
    Bienenhaltung zu betreiben.
    Bei mir funktioniert es nicht, dass die Bienen sich selbst ausreichend für den Winter versorgen. Dafür
    ist bei uns ganz offensichtlich zu wenig bis keine Tracht!

    Oder habe ich die falschen Bienen?

    Bei meinen Völkern merke ich sehr wohl Unterschiede. Dieses Jahr hatten zwei Völker im Herbst
    praktisch keine Vorräte mehr. Es waren abgetrommelte Völker. Die haben alles aufgefressen.
    Ein drittes Volk, das nicht abgetrommelt wurde, hatte auch alles aufgefressen. Das vierte Volk,
    dem ich den Honigraum frei gegeben hatte, hatte nach Entnahme des Honigs zwar auch im Brutraum
    Vorräte angelegt, aber diese hätten als Wintervorrat bei weitem nicht gereicht.

    Es behagt mir zunehmend weniger, alljährlich die Bienen auffüttern zu müssen.

    Was sind denn Eure Erfahrungen, liebe Freunde. Klappt das bei Euch mit der Winterselbstversorgung eurer Völker?

    gruss bf
      Abyssus abyssum invocat
    • Hallo BF

      Nach dem Fruehling ist bis zum Spaetherbst kaum Tracht vorhanden. Alle Imker in meiner Nachbarschaft fahren Ihre Beuten dann in eine andere Gegend. Bin schwer am ueberlegen dies auch zu machen. Die "Fischermuehle" hats "vorgemacht" und Wabenbruch oder anderen groessere Probleme gabs wohl kaum.
      Ein mal hin und nach ca 5 Monaten wieder zurueck. Die Fahrt an sich ist natuerlich ein "Minus"- allerdings wuerden Sie dann Ihren eigenen Honig fuer den Winter haben und das zufuettern faellt ganz weg. Eigentlich gibt es da nicht mehr viel zu ueberlegen....
      Nach der eventl. Ernte eine AS Behandlung -dann Umzug-und nach der Rueckkehr wieder AS(noch ein "Minus" = Varroa - auf solchen "Sammelpunkten" explodiert die V-Population extrem...
      Die eine oder andere Beute bleibt natuerlich zu Hause und zu den anderen macht mann halt gelegentlich den einen oder anderen Ausflug(wenn mann den mehrere hat)
      beste Gruesse
      massel - der gestern nach einer 10 taegigen Pause mal wieder Pollenhoeschen gesehen hat smiley
        " An Stelle der kostspieligen, zum Sport ausgearteten Kunstimkerei hat eine naturverbundene, einfache Erfolgsimkerei zu treten."
        Siedlern und Bauern als berufene Bienenzuechter muss es moeglich gemacht werden, mit einer leicht selbst herstellbaren einfachen Bienenwohnung, ohne besonderen Aufwand an Material, Fachkenntnisse, Geld und Arbeit, ohne Maschinen und Geraete, ohne Zuckerverbrauch und Kunstwaben, auf rein naturgemaesse Art, erfolgreich zu imkern.

      • Ich kann dir genau sagen was ich habe füttern müssen. Allerdings sind mir aus zwei Völkern 3 und 2 Schwärme abgegangen. Also ein großer Vorratverlust!

        1.BK: 18l verfüttert
        2.BK: 21l verfüttert
        ERB: Anfang Mai mit einem Naturschwarm aus einer der BK einlaufen lassen, 18l verfüttert.

        Und mir behagt es auch gar nicht sie auf zu füttern. Vor allem weil ich jetzt weiss wie der eingelagerte und umgearbeitete Zucker als Honig schmeckt. Mein Volk von der ERB ist mir gestorben und ich habe den Honig geerntet und der schmeckt um Welten schlechter als der Honig aus der Natur. Das hat mir ein wenig die Augen geöffnet. Es behagt mir nicht ihnen diesen "frass" zu geben.
        • aus zwei Völkern 3 und 2 Schwärme abgegangen. Also ein großer Vorratverlust

          De Vorratsverlust hält sich in Grenzen, aber mit dem Bienenverlust fehlt ausreichend arbeitende Masse. Dann war es das in der Natur eben, wenn sie nicht im Herbst noch was zum Ausräubern finden.

          Als Imkerin kannst Du der BK-Anleitung folgen und bis auf eine die Weiselzellen nach dem ersten Schwarm entfernen. Wenn Dir das Füttern nicht behagt. Oder Du machst es wie Jan-Michael: die Natur selektieren lassen - wer zuviel schwärmt, den bestraft das Leben.

          Der idiologische Streit zwischen den harten Naturgemäßen und den Wesensgemäßen

          :-)
          • Es ist sicher ein Thema, über das man mal gründlicher Nachdenken kann und bei dem es viel zu diskutieren gibt:

            Bienen sammeln zwar alles, was sie finden können (wer weiß, ob nicht schlechte Zeiten anbrechen?) und schaffen theoretisch damit freiwillig Überschüsse, die man als Imker ernten kann, ohne das Leben der Bienen zu beeinträchtigen. ("Wenn man dann die Verantwortung für das o.g. Risiko übernimmt und verhindert, dass die Bienen verhungern.)

            Wenn man sich nicht kümmert, können Bienen selbst unter paradiesischen Trachtbedingungen verhungern - Pech gehabt! Ob das alleine wirklich eine sinnvolle Auslese der Natur ist, oder eher Zufall, sei dahin gestellt.

            Es gibt aber zwei Dinge, die man sich klar machen muss: die Trachtbedingungen sind vielerorts alles andere als ideal und Wildvölker sammeln im langjährigen Mittel sehr geringe Überschüsse. Je naturnäher ich imkere und die Völker einerseits unreguliert schwärmen lasse und anderseits auf Zuckerfütterung verzichte, desto weniger Honig. Es ist ja nicht von ungefähr so, dass sich die modernen Betriebsweisen entwickelt haben, die einerseits den Schwarmtrieb unterdrücken und anderseits radikal abernten und dann komplett mit Zucker auffüttern.

            - Kleine Werbeunterbrechung: wink Um solche Fragen dreht sich übrigens auch mein neues Buch "Wesensgemäße Bienenhaltung in der Bienenkiste" -
            • Eine ganz andere Front sind ja die Trachtbedingungen. Hier kann man zwar im Kleinen privat Beiträge leisten, darüber hinaus ist aber ein grundsätzlicher ökologischer Wandel der Landwirtschaft und Landnutzung essenziell. Deshalb haben wir ja auch das "Netzwerk Blühende Landschaft" gegründet und engagieren uns so stark politisch.

              - Noch eine kleine Werbeunterbrechung: smiley wer uns darin unterstützen will findet hier weitere Informationen: http://www.mellifera.de/bienen-schuetzen -
              • Hallo bf, ähnliches treibt mich auch um. http://www.mellifera-netzwerk.de/forum/thread/3391/index.html#dis-post-20360

                Ich konnte mich zwar absolut nicht beschweren was den Ausbau des Honigraums und die Erntemenge anging, doch leider wurde das Volk durch die Entnahme der Honigwaben einem Großteil seiner Vorräte beraubt. Ich habe 14kg Honig geerntet und musste dann im Laufe des August 12kg Zucker füttern um mein Wohlfühlgewicht von 20kg Vorräten zu erreichen. Das war meine erste Erntesaison, doch habe ich nicht damit gerechnet, so intensiv auffüttern zu müssen.
                Aus der Theorie hätte ich gedacht, dass das Volk erst den Brutraum voll einlagert, bevor die Überschüsse im HR landen. Tja, Thoerie vs. Praxis. Aber selbst wenn ich wollte, könnte ich die Honigwaben ja nicht in der Kiste lassen...das gefällt mir nicht und ist für mich nicht nachhaltig. Ich sehe hier offen gesagt fast keinen Unterschied zum konventionellen Imkern. Bin gespannt wie es nächstes Jahr läuft.
                • Aber selbst wenn ich wollte, könnte ich die Honigwaben ja nicht in der Kiste lassen...das gefällt mir nicht und ist für mich nicht nachhaltig.
                  Lieber Dominik, ich werde über den Winter eine Bienenkisten-Betriebsweise für Fortgeschrittene vorstellen, die stärker die von Dir angesprochenen Aspekte berücksichtigt. Ein Standard-Leitfaden hat Vor- und Nachteile. Einen Nachteil hast Du gerade angesprochen. Je mehr Erfahrungen und Wissen ein Imker hat, desto stärker kann er seine Betriebsweise auch an regionale Bedingungen und eigene Ziele anpassen.

                  Ich sehe aber dennoch auch bei der "Standardbetriebsweise" gravierende Unterschiede zur konventionellen Bienenhaltung. Du betrachtest nur die Honig-Zucker-Bilanz, bei der viele Faktoren eine Rolle spielen. (Ich füttere in Hamburg z.B. seit mehr als einem Jahrzehnt kaum.)

                  Die Ernährungssituation der Bienen ist stark von äußeren Faktoren bestimmt, bei der wir mit den konventionellen Imkern im selben Boot sitzen. Es gibt aber viele weitere Faktoren, die bei der Bienenhaltung eine Rolle spielen.

                  In Deinem konkreten Fall wäre noch die Frage, ob 20 Kilo wirklich nötig sind. Mir ist noch nie ein Volk mit 15 Kilo Vorräten verhungert. Dann würde Deine Bilanz Ernte::Füttern schon erheblich anders aussehen. [Hinweis: emk hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 9 Monaten geändert.]
                  • Hallo Erhard,
                    ich habe meine Aussage ganz bewusst etwas überspitzt formuliert. Vieles an der Bienenkiste ist mit dem Konventionellen natürlich nicht vergleichbar, seien es die Kontrollen, Diagnose, Behandlung und auch die mehrmaligen Ernten im Jahr, bis hin zum Schwarmmanagement. Gutes und gesundes Essen spielt für mich eine wesentliche Rolle im Alltag, von daher neige ich dazu, dies auf meine Bienen zu übertragen. Für mich ist gesunde Ernährung = gesunder Körper/gesunder Bien. Nun geb ich mir Mühe mein Volk nicht zu stören, ggf. in der Verteidigung von Eindringlingen zu unterstützten, auf Varroa zu untersuchen und ggf. zu behandeln und dann speise ich es mit Zuckerlösung ab. Das ist was mir wehtut.

                    Was das Auffütterungsgewicht angeht hast du recht. Ich befinde mich ja jetzt erst im 2ten Jahr und sammle noch Daten was den Verbrauch und die Gewichtsabnahme angeht. Hier ist also definitiv Optimierungsbedarf.

                    Ich freue mich auf jeden Fall schon auf deine Betriebsweise für Fortgeschrittene (wobei ich mich da noch lange nicht dazu zähle) und bin gespannt was ich davon umsetzen kann.

                    Abgesehen davon soll die Diskussion in keinster Weise eine Kritik an deinem Leitfaden sein! Erst durch dein Engagement habe ich es überhaupt gewagt, mich der Imkerei zu widmen. Und das Ganze fast ausschließlich basierend auf die Informationen aus deinem Buch/Website und diesem Forum.
                    • emk schrieb am 04.12.2015, 11:06

                      (Ich füttere in Hamburg z.B. seit mehr als einem Jahrzehnt kaum.)

                      Hallo Erhard,

                      genau das ist der Knackpunkt. Mich würde sehr interessieren, wie genau du das machst. Gehst Du mit Deinen Völkern anders um, als in der Bienenkistenanleitung beschrieben oder ist dieser Erfolg schlicht und ergreifend auf hervorragende Trachtgründe in der Umgebung Deiner Völker zurückzuführen?

                      gruss
                      bf



                        Abyssus abyssum invocat
                      • Relativ wenig Schwärme (keine Ahnung warum),
                        Verhinderung von Nachschwärmen (gutes Schwarmmanagement),
                        Gute späte Tracht (Linde).
                        • emk schrieb am 04.12.2015, 22:07

                          Relativ wenig Schwärme (keine Ahnung warum),
                          Möglicherweise hast du einen schwarmträgen Stamm?

                          Verhinderung von Nachschwärmen (gutes Schwarmmanagement),
                          Das deckt sich mit der Aussage von Gunnar, weiter oben. Also nach dem Vorschwarm
                          nur 1 Weiselzelle stehen lassen?
                          Warum klappt das denn nicht genau so gut bei einem vorweggenommenem Schwarm (abgetrommeltem Volk? Da ist doch die Situation nicht anders als nach Abgang eines Vorschwarms.

                          Gute späte Tracht (Linde).
                          Da könnt ihr euch in Hamburg wirklich glücklich schätzen. Bei uns gibt's keine
                          Lindentracht (von ganz wenigen Exemplaren abgesehen).

                          bf
                            Abyssus abyssum invocat
                          • Meine Völker wintern nicht so stark aus. Ich glaube nicht, dass das an der Rasse liegt, da ich ja Standbegattung mache und gelegentlich mal ein Schwarm von sonst wo dazu kommt. Es mag das Kleinklima des Standorts sein, vielleicht auch der hohe Anteil an Völkern mit älteren Waben. Es gilt zwar als bewährtes Wissen von konventionellen Imkern, dass alte Waben die Schwarmneigung erhöhen. Ich beobachte aber bei mir (und anderen) Bienenkisten-Imkern genau das Gegenteil. Es wäre spannend, diese Frage mal systematischer zu verfolgen.

                            Nachschwarmverhinderung von Trommelschwärmen hat zwei erschwerende Faktoren: Man bekommt vielleicht nicht so viele Bienen raus, wie bei einem Naturschwarm. Das kann die generelle Neigung von Nachschwärmen erhöhen. Da außerdem die Königin bis zuletzt gelegt hat, gibt es viel offene Brut im Alter von 0-3 Tagen. Wenn man nun sofort alle Weiselzellen bis auf eine ausbricht, machen die Bienen vielleicht noch Nachschaffungszellen, die man gar nicht sieht, bzw. an die man nicht so leicht ran kommt. Dafür gibt es keine einfache Lösung. Wenn man den Trommelschwarm behält, könnte man Plätze tauschen ("Vorschwarm auf Muttervolk").

                            Eine späte Tracht ist entscheidend für eine gute Honigernte bei einer extensiven Betriebsweise mit einer einzigen Ernte am Ende der Saison.

                            Mir ist noch ein Grund eingefallen, warum ich jedes Jahr Honig ernte: ich habe im Schnitt 5 Völker. I.d.R. bringen mindestens 2 Völker davon eine gute Ernte. Wer verlässlich Honig haben will, sollte mindestens 3 Völker haben.
                            • hallo Erhard,

                              wir bearbeiten hier ein sehr heikles Thema. Je mehr man sich darüber unterhält,
                              um so mehr Fragen kommen auf.
                              Ich möchte gerne auf Deine Ausführungen aufgreifen und auf zwei, drei Punkte näher
                              eingehen.

                              So langsam rundet sich das Bild um zu begreifen wann und wie die Bienen nicht
                              nur im Honigraum Vorräte eintragen sondern auch nach vorne in den Brutraum.

                              Deinen Ausführungen nach ist es Bedingung, Schwärme zu verhindern (allenfalls
                              einen Vorschwarm zuzulassen).
                              Des weiteren ist bei einer extensiven Betriebsweise wie der Bienenkiste eine späte Tracht entscheidend .

                              Diese beiden Schlüsselargumente sind enorm wichtig, jedoch leider in der Realität bundesweit vielfach nicht gegeben.
                              Zugegebenermaßen kann jeder von uns Schwarmvermeidung betreiben, mal mit mehr,
                              mal mit weniger Erfolg. Das Auffinden der Weiselzellen ist nicht nur beim
                              Trommelschwarm eine diffizile Angelegenheit, sondern auch nach Abgang des Vorschwarm, insbesondere für Anfänger.

                              Beim Trommelschwarm ist meine Erfahrung, dass ich eher zu viele Bienen abtrommle
                              und zu wenige in der Beute zurück bleiben. Und vier Kisten habe ich besetzt.
                              Da soll auch keine mehr hinzu kommen. Also mit Platz tauschen (Schwarm auf
                              Standplatz Muttervolk) ist nicht, zumal ich auch die Trommelschwärme direkt an
                              Anfänger weitergebe.
                              Hier müsste ich mir künftig im Einzelfalle überlegen, den Trommelschwarm zumindest einen Tag lang auf den Platz des Muttervolkes zu stellen. Dies würde voraussetzen, dass der Anfänger seine Kiste mitbringt und auch gewillt ist, sie erst ein, zwei Tage später abzuholen (Entfernung spielt hier eine Rolle).

                              Dein Hinweis des Tausches Vorscharm auf Muttervolk ist sehr deutlich!
                              Ich werde später noch einmal darauf eingehen.

                              Jetzt aber noch zum Thema späte Tracht.
                              Eine späte Tracht gibt es bei uns nicht, will sagen nicht mehr! Ja oft gibt es
                              auch kaum eine frühe Tracht. Die Ursachen sind vielfältig, wovon ich nur einige
                              wenige ansprechen möchte:
                              - keine Bauernwirtschaft mehr, sondern extensive Bewirtschaftung mit nicht blühenden
                              Pflanzen, verbunden mit intensiver Düngung und Giftausbringung
                              - rasches Absterben der alten, von Groß- und Urgroßvätern gepflanzten Obstbäumen, so
                              dass die meisten schon verschwunden sind und die verbliebenen als abgestorbenes
                              Totholz in der Landschaft stehen,
                              - keine Nachpflanzungen von Trachtpflanzen (auch nicht durch den örtlichen Imkerverein)
                              - viele frühblühende Hecken und so gut wie keine spätblühenden
                              - Düngung und rasches Abweiden der Wiesen, wodurch den Bienen kaum mehr Wiesenblüher
                              zur Verfügung stehen

                              Mehr oder weniger kann man schon von ganzjähriger Läppertracht reden. Wenn dann noch Robinie und Kirschen witterungsbedingt als Honigspender ausfallen (kam in den letzten Jahren häufiger vor) und der Sommer, so wie in diesem Jahr, zu trocken ist, fallen selbst die Brombeeren als Tracht aus.

                              Blühende Landschaften - ist ein Thema für sich, sehr politisch, und kann an anderer Stelle diskutiert werden.

                              Die Grundfrage für mich ist nach wie vor, wie bringe ich meine extensiv gehaltenen Biki-Völker in meiner trachtarmen Gegend zu einer besseren Winterselbstversorgung.

                              Wie du bereits sagtest,

                              -Schwarmvermeidung
                              -gute späte Trachtbedingungen

                              Von alten Imkermeistern, die noch mit Stabilbeuten gearbeitet hatten, erfährt man hierzu mehr:
                              Dort wo es keine späte Tracht gibt sondern nur eine (Früh)Tracht soll man seine Völker stark machen für den Zeitpunkt der besten Honigtracht, indem man

                              o den im Naturbau für die Bienen erforderlichen Aufwand an Futterhonig reduziert
                              durch warmes Einpacken der Beuten während des Winters
                              auf Verminderung der Drohen hinarbeiten z. B. Raumerweiterung, bei der Biki wäre
                              dies frühes Freigeben des Honigraumes, dadurch Schwarmtrieb vermeiden suchen
                              Vernichtung der Drohnen (unnötige Esser) indem man frühmorgens das Bodenbrett abnimmt
                              und die zahlreich dort sitzenden Drohnen abfegt und ertränkt (denn Drohnenschneiden
                              in der Biki ist schlecht möglich)
                              o Überwinterung honigreicher Stöcke, damit im Frühjahr kein Mangel auftritt und
                              keine Notfütterung erforderlich ist, mindestens 40 Pfund Vorrat, also 20 kg
                              o Nachschwärme auf keinen Fall dulden!
                              o Sollte ein Vorschwarm anfallen, wird dieser mit dem Muttervolk verstellt, so das
                              durch das Abfliegen der Flugbienen zum Schwarm beide Völker sich gut entwickeln
                              o Wander-Bienenkisten, d. h. mit den Bienen in die Trachtgebiete wandern und somit
                              am besseren Standort die Tracht ausnutzen (kommt wegen des damit verbundenen
                              Aufwandes für mich nicht in Betracht)
                              o Beobachten seiner Völker und nur diejenigen behalten bzw. nachziehen, die für ihren
                              Wintervorrat am besten vorsorgen und/oder schwarmträge sind

                              Und wenn ich all das mache, bin ich vielleicht sicherlich ein Stückchen weiter weg von wesensgemäßer und einfacher Bienenhaltung. Aber wenn ich mein Ziel, eine Verbesserung der Winterselbstverorgung, erreichen möchte, werde ich nicht umhinkommen, zumindest den Teil, den Du bereits angesprochen hast, konsequent umzusetzen.

                              Eine für mich wichtige Frage möchte ich Dir zum Schluss dieses langen Beitrages aber doch noch stellen: Wie alt werden denn Deine Königinnen, wenn die Völker nicht schwärmen? oder anders gefragt, wie verjüngst Du die Völker, ohne dass du Schwärme zulässt?

                              gruss
                              bf

                              [emk:überflüssige Leerzeilen gelöscht.]
                              [Hinweis: emk hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 9 Monaten geändert.]
                                Abyssus abyssum invocat
                              • Am Heimatstandort bei Mellifera auf der schwäbischen Alb hungern die Völker im Sommer gelegentlich und müssen gefüttert werden. Echte Überschüsse gibt es nur, wenn der Wald honigt. Neben der Sorge für eine Blühende Landschaft kommen für uns noch folgende Maßnahmen infrage: Wandern und Notfütterung mit Zucker.

                                Die meisten von den von Dir angesprochenen Maßnahmen sind für mich mit einer wesensgemäßen Bienenhaltung nicht vereinbar. Wenn ein Standort es nicht mehr zulässt, dass dort Bienen selbständig überleben können, dann ist das ja ein sehr arlamierendes Zeichen und man sollte sich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass sich das ändert. Erst stirbt die Biene ...

                                Punktuell mit Zucker unterstützend einzugreifen, ist für mich kurzfristig dann noch das geringste Übel. Man muss sich klar machen, dass im Jahr weit über hundert Kilo Honig von einem Bienenvolk verbraucht werden. Selbst wenn ich 10 Kilo Zucker füttern würde, wären das weniger als 10%. Und das in einer Zeit, wo kaum Brut aufgezogen wird und Ballaststoffe auch zu einem Problem werden können. Bevor ich anfange, Drohnen systematisch umzubringen oder Mittelwände zu geben, füttere ich lieber (nötigenfalls). Warm einpacken verhindert bzw. verkürzt die Brutpause, wirkt sich auf die Varroabelastung ungünstig aus und kann zu höherem Futterverbrauch führen.

                                Die Bienenkiste (und auch andere extensive Betriebsweisen) funktioniert nur bei einer guten Trachtversorgung gut. Das sagen wir auch ausdrücklich immer und überall, wo wir die Bienenkiste als Konzept vorstellen.

                                Wenn ich irgendwo leben würde, wo extensive Bienenhaltung nicht möglich wäre, würde ich gar keine Bienen halten, umziehen, Depressionen bekommen oder lokalpolitisch aktiv werden.

                                Langfristig wäre es natürlich außerdem sinnvoll, mit einer an die lokal angepassten Bienenrasse zu imkern, die aus den gegebenen Trachtbedingungen das Beste macht. (Wobei das Beste für die Bienen nicht automatisch riesige Honigerträge bedeutet. Es ist generell so, dass - je naturnäher man Bienen hält - desto geringer die durchschnittlichen Überschüsse ausfallen.) Das ist aber auch eine Lebensaufgabe und nahezu unmöglich, so lange jeder Imker macht, was ihm gefällt.

                                Bienen sind für mich deshalb so interessante Tiere, weil man mit ihnen mitten in den Widersprüchen steht, die unsere Welt ausmachen. Es gibt für viele Probleme keine einfachen Lösungen. Lebenskunst besteht darin zu lernen, seinen Weg zu finden, nicht zu verzweifeln (bitte das "Depressionen" oben wieder streichen) und seinen kleinen konstruktiven, lebensfördernden Teil zu dieser Welt beizutragen.

                                Die hinter dieser Diskussion stehenden grundsätzlichen Fragen "Was ist wesensgemäß? Warum mache ich das überhaupt? Wie würden Bienen natürlicherweise leben? Was kann man daraus lernen, ..." haben mich ja dazu geführt, das Buch "Wesensgemäße Bienenhaltung in der Bienenkiste" zu schreiben. Ich denke, es lohnt sich, es zu lesen, wenn man diese Themen vertiefen möchte.
                                • Eine für mich wichtige Frage möchte ich Dir zum Schluss dieses langen Beitrages aber doch noch stellen: Wie alt werden denn Deine Königinnen, wenn die Völker nicht schwärmen? oder anders gefragt, wie verjüngst Du die Völker, ohne dass du Schwärme zulässt?
                                  Keine Ahnung. Bienen weiseln selbständig um, wenn ihnen eine Königin zu alt wird ("Stille Umweiselung"). Da ich es ganz gut von außen einschätzen kann, wie der Zustand der Völker ist, mache ich sie selten auf und bekomme es nicht unbedingt mit, wenn ein Bienenvolk umweiselt.

                                  Wobei es nicht richtig ist, dass ich "keine Schwärme zulasse". Ich hätte gerne mehr Schwärme und ich werde in der nächsten Saison Maßnahmen ergreifen, dass es wieder eine höhere Jungvolkquote gibt.
                                  • Warm einpacken verhindert bzw. verkürzt die Brutpause, wirkt sich auf die Varroabelastung ungünstig aus und kann zu höherem Futterverbrauch führen.

                                    F.B Busch, 1862
                                    empfiehlt grundsätzlich Frühbrüter, weil diese zur Haupttracht seinen Erfahrungen nach immer besser dastehen d. h. im Gegensatz zu Spätbrütern volksstärker zur Haupttracht sind . Kommt die Tracht unverhofft, kann ein starkes Volk sie z. B. ausschöpfen.

                                    Busch hatte damals noch kein Varroaproblem was heutzutage durch warmes Einpacken
                                    offensichtlich eher verstärkt würde (mein Rückschluss aus Zitat von EMK).

                                    Das Schwergewicht von Busch`s Empfehlungen beim imkern in honigarmen Gegenden liegt,
                                    wie auch von dir angesprochen, beim Schwarmmenagement: der Schwarmverhinderung.

                                    Aus dieser Diskussion nehme ich mir für nächstes Jahr vor, bei zwei meiner Völker
                                    konsequente Schwarmverhinderung zu betreiben. Dann werde ich sehen, ob sie sich
                                    mit dem im Brutraum befindlichen Honig gänzlich selbst versorgen könnten oder zumindest
                                    nicht mehr so viel Zusatzfütterung benötigen, wie in den Jahren zuvor.

                                    Lieber Erhard, ich danke Dir herzlich.

                                    gruss
                                    bf

                                    [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 9 Monaten geändert.]
                                      Abyssus abyssum invocat
                                    • Stichwort Blühende Landschaften

                                      Die beiden angefügten Fotos sind von heute morgen. Sie zeigen die ausgeräumte und
                                      vergiftete Landschaft direkt vor meiner Haustür, 400 m Luftlinie vom
                                      Bienenstandort entfernt, also direkt im Nahumfeld wo die Bienen Wasser und Pollen
                                      einsammeln.
                                      Wenn man so jemanden wie diesen Agrochemiker im Ort wohnen hat, kommt man mit
                                      Argumenten nicht weit und schafft sich als Imker nur Feinde. Und als Ergebnis
                                      kommt dabei raus, dass im nächsten Jahr noch größere Flächen mit Roundup
                                      abgetötet werden.
                                      Vorgehensweisen wie diese müssten gesetzlich unterbunden werden. [Hinweis: bienenflug hat den Beitrag zuletzt am vor 4 Jahren, 9 Monaten geändert.]
                                        Abyssus abyssum invocat
                                      • Hallo bf

                                        das sieht ja schlimm bei Dir aus!

                                        Hast Du schon über einen Standort-wechsel nachgedacht?

                                        Jetzt leben wir auf dem Land wo jeder meint, es ginge der Natur doch besser als in der Stadt...
                                        aber wenn so ein Bauer in der Stadt sein Grundstück so behandeln würde, da gäbe es aber ein Aufschrei...

                                        Bei uns wird immer noch genug Klärschlamm auf die Felder (besonders am Sonntag) abgeladen und danach wird noch schnell umgepflügt

                                        Viele Grüße
                                        Drohn

                                        pS: Wir bieten Dir gerne für deine Bienen Asyl an
                                        • hallo drohn,
                                          du kannst Dir vorstellen, wie mich das frustet und ich danke dir für das
                                          liebe Angebot.
                                          Aber du kennst ja auch meinen Bienenstand. Der ist ja ansonsten ideal.
                                          Sehr schade, was der Mann macht. Im Frühjahr hat er 300 m von meinem Standort entfernt einen Brachlandstreifen von 1 ha mit einer darin befindlichen Quelle
                                          zuerst gehäckselt und anschließend mit Roundup platt gemacht, damit nur ja nichts mehr aufkommt.

                                          Vergleichbare Rücksichtslosigkeiten bei den landwirtschaftlich tätigen
                                          Mitmenschen hat Busch schon 1862 in seinem Büchlein zutreffend beschrieben.
                                          Zitat im Anhang.
                                          Seit dieser Zeit wurde es nur noch schlimmer.

                                          gruss bf
                                            Abyssus abyssum invocat